Das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost


Autor: Wolf-Dieter Röttger

 

 

Das Verwaltungsgebiet des Oberbefehlshabers Ost, den Philatelisten unter dem Namen „Postgebiet Ob.Ost“ bekannt, war eine Schöpfung des 1. Weltkrieges. Es erstreckte sich zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung im Herbst 1918 über weite Gebiete Estlands, Lettlands, Litauens, Nordpolens und Weißrussland.

Der wesentliche Teil dieses Gebietes kam nach dem Sommerfeldzug 1915 unter deutsche Kontrolle. Die beteiligten Armeen gruben sich entlang der Düna und dann nach Süden von Dünaberg bis Smorgon in einer Dauerstellung ein.

Neben den Feldpostanstalten der beteiligten Kommandobehörden, vom Oberbefehlshaber Ost abwärts, traten zahlreiche Feldpoststationen zur Versorgung des Etappengebietes. Bei den Etappeninspektionen der am Vormarsch beteiligten Armeen entstanden Verwaltungschefs, zu deren Koordinierung am 4.11.15 beim Stabe des Oberbefehlshabers Ost eine Zentralverwaltung gebildet wurde, der die Verwaltungschefs unterstellt wurden. Das so geschaffene Verwaltungsgebiet wurde als Gebiet des Ob.Ost bezeichnet.

Zunächst war der Zivilbevölkerung jeder Postverkehr untersagt, ein unhaltbarer Zustand. Deshalb wurde ebenfalls mit Datum vom 4.11.15 mit Sitz in Kowno die „Deutsche Post- und Telegraphenverwaltung im Postgebiete des Oberbefehlshabers Ost“ abgekürzt „P.T.V.Ob-Ost“ errichtet.

Am 15.1.16 wurden die ersten eigenständigen Postanstalten, z.B. Libau, Schaulen usw. errichtet. Andere wie z.B. Augustow und Windau wurden mit zivilen Ortsstempeln ausgerüstet und wurden Teil der örtlichen Feldpostanstalten.

Deutsche Reichspostmarken und Ganzsachen wurden mit Postgebiet Ob.Ost überdruckt und verausgabt.

Post innerhalb des Gebietes wurde zensiert, ebenfalls Post nach Deutschland und dem benachbarten Generalgouvernement Walschau.

Die Post stellte innerhalb Ob.Ost selbst nicht zur und bediente sich der Verwaltung, aber auch Bestelldiensten wie z.B. in Wilna.

Ab April 1916 gab es einen beschränkten Nachrichtenaustausch mit Amerika, um Unterstützungszahlungen zu erhalten. Dies endete mit dem Kriegseintritt der USA.

Ab April 1916 bis in die letzten Tage des 1. Weltkrieges wurden zahlreiche Postanstalten neu eröffnet, besonders nach der Besetzung weiterer Gebiete nördlich der Düna bis nach Narwa 1918. Zuletzt gab es 83 Postanstalten in unterschiedlicher Form, daneben noch im hohen Norden eine Reihe Postabteilungen ohne eigene Stempel.

Im Laufe der Zeit wurde der Postdienst immer weiter ausgedehnt, so entstand ein Nachrichtenverkehr zwischen den Bewohnern des Ob.Ost-Gebietes und Verwandten im feindlichen und neutralen Ausland mit Hilfe der Briefvermittlungsstelle in Bialystok. Auch Österreich – Ungarn wurde zum Postverkehr zugelassen.

Nach dem Friedensvertrag mit Russland wurde der Postverkehr Zug um Zug mit Russland und den besetzten Gebieten des Ostens wie der Ukraine aufgenommen. Auch mit dem Verwaltungsgebiet der 5. Ersatz-Division kam es unter Verwendung dort gültiger Ob.Ost-Marken zu Postkontakt, weshalb ich deren Gebiet südlich Pleskau immer dem Ob.Ost-Gebiet „eingegliedert“ habe. Schließlich waren in Pleskau Ob.Ost-Marken in Verwendung.

Das Kriegsende an der Westfront im November 1918 führte zur Schließung aller Postanstalten und zur Räumung des Gebietes. Lediglich Kowno und Libau arbeiteten zu Verrechnungszwecken noch bis zum 4.1.19 weiter.

Estnische, lettische, litauische und polnische Postanstalten traten an die Stelle der deutschen Postanstalten, aber auch solche von vorrückenden Bolschewiki.

1919 kämpften noch deutsche Freiwillige in den ehemals besetzten Gebieten, bin im Dezember 1919 nichts mehr an den „Ob.Ost“ erinnerte.

Für die Ob.Ost-Post wurde in Berlin SW 11 eine Abwicklungsbehörde errichtet, die bis zum 15.5.19 arbeitete.